Ein Mann sucht Anschluss

Ein 3:0 ist ein 3:0 ist ein 3:0. Kürzer kann man alle Fragen zum derzeitigen Leistungsvermögen der TSG aus Hoffenheim nicht beantworten. Alle Fragen? Nicht ganz. Abgesehen von der Tatsache, dass ein erschreckend schwacher VfL Bochum, der sich in Absteigerform präsentierte, nicht gerade als realistischer Formcheck taugt, blieben vor allem bei einer Personalie alle Fragen offen.

Hoffenheim war zunächst um Rangnicks Ordnung bemüht, zeigte Schwächen  in der Spieleröffnung, dominierte aber nach dem 1:0 in der 16. Minute deutlich. Die Innenverteidigung sattelfest (sehr souverän vor allem Simunic), die Außenverteidiger offensiv – Ibertsberger vor allem in Hälfte eins überraschend stark (und besser als der zu Recht hoch gelobte Beck). Im Mittelfeld zog Carlos Eduardo die Fäden, unterstützt von unauffälligen Salihovic und Luiz Gustavo. Vorne wirbelte Obasi, ackerte Ba und – ja und was eigentlich?

Vedad Ibisevic war körperlich anwesend (der Autor hat ihn mit eigenen Augen gesehen), glänzte im Spiel aber weitgehend durch Abwesenheit. Durchaus nicht ohne Engagement, aber völlig ohne Bindung zu seinen Mitspielern, stand Ibisevic meistens da, wo ein Stürmer gerade nicht stehen muss. Und wenn doch einmal ein Ball den unwahrscheinlichen Umweg zu ihm machte, vergab er in teilweise leichtfertiger Manier. Ein durchaus Mitleid erregender Anblick, wenn man bedenkt, mit welcher Selbstverständlichkeit der Bosnier noch in der vergangenen Hinrunde als Krone des Hoffenheimer Offensivfußballs agiert hatte.

So kam es fast einer Erlösung gleich, als Ibisevic in Minute 88 endlich die durchaus brütende Spätsommersonne mit kühlem Kabinenschatten eintauschen durfte. Ersetzt wurde er durch den vor Beginn der Saison verpflichteten Maicosuel. Noch darf man dies nicht als Wachablösung interpretieren. Da Ibisevics mangelnde Spielbindung aber kaum noch nur auf Trainingsrückstand nach der langen Verletzung geschoben werden kann, sollte er sich nicht mehr allzu viele Auftritte wie den am vergangenen Samstag erlauben, wenn er einen Stammplatz behalten will.

Solange die Spiele trotz eines nicht stattfindenden Stürmers deutlich gewonnen werden, kann Ralf Rangnick weitgehend ohne lästige Fragen an seinem einstigen Wunderknaben festhalten. Sobald jedoch ein 3:0 kein 3:0 mehr ist, sondern die Null womöglich auf der falschen Seite steht, wird der Druck auf den Trainer wachsen, der zweiten Reihe eine Einsatzchance in der Startelf zu ermöglichen.

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